Amplitude

Mit einer Leistung im unteren Bereich der Amplitude dessen, wozu man fähig ist, verliert Union (etwas hoch) 3-0 in Heidenheim.

Grundausrichtung

Union

Die einzige Änderung in Unions Startformation betraf Toni Leistner, der auf Grund der nahenden Geburt seines Kindes aussetzte und von Schönheim ersetzt wurde, indem Puncec auf die rechte Seite der Innenverteidigung rückte.

Union behielt nicht nur die Aufstellung, sondern auch die Ausrichtung des Spiels vier Tage zuvor weitgehend bei. Erneut agierte man also in einem 433 mit Hedlund und Skrzybski auf den Außen. Dem entgegneten die Gastgeber ein 442, das offensiv stark die Flügel, und vor allem die linke Seite von Schnatterer, fokussierte.

Dabei kontrollierte Heidenheim mit einem Mittelfeldpressing, gegen das Union kein stabiles Ballbesitzspiel aufbauen konnte, die Partie und erstickte die Offensivbemühungen der Mannschaft von Jens Keller fast vollständig: näher als mit einem Schuss von Pedersen aus halblinker Position im Strafraum, der das Außennetz streifte, kam man dem Tor nicht.

Warum bekam Union gegen den Ball keine Kontrolle?

Die Probleme Unions, mit dem Ball etwas anzufangen, begannen dabei schon im eigenen Pressing, das vornehmlich in 442 Staffelungen aufgezogen wurde und nicht in der Lage war, Ballgewinne in vielversprechenden Situationen zu liefern.

War Heidenheim tief in der eigenen Hälfte in Ballbesitz, fächerten die Innenverteidiger weit auf, während die Außenverteidiger Richtung Mittellinie aufrückten. Quaner pendelte dann zwischen den beiden Innenverteidigern und wurde dabei entweder von einem der Außen oder Achter unterstützt. Weil die Schwaben nicht darauf bestanden, das Zentrum zu suchen, die Innenverteidiger oft gut von Torwart Müller unterstützt wurden, und die Läufe des sekundären Pressingspielers mitunter zu lang/spät waren, bekam Union in dieser Phase des Spielaufbaus keinen Zugriff. Da all das recht tief in der Hälfte Heidenheims stattfand, entstanden außerdem große Abstände zu den anderen Mannschaftsteilen und gelang es nicht, im Druck auf den Ball auf vorhergehende Phasen aufzubauen.

So hatte das Pressing Unions zumindest keine offensive Wirkung, und auch Gelegenheiten zum Gegenpressing ergaben sich nur ausnahmsweise (eine derer kam vor einem geblocktem Schuss von Skrzybski in der 44. Min).

Und mit auch nicht...

Folglich war man auf das eigene Ballbesitzspiel angewiesen. Was im 433 gegen ein 442 aber doch keine so schlechte Position sein sollte?

War es doch - und die 'Telephonnummern' der Systeme vereinfachen die Situation etwas zu sehr. In der Realität fand ein geordnetes Ballbesitzspiel Unions ebensowenig statt wie zwingendes Pressing.

Und das, obwohl mit Puncec als richtig-füßigem Innenverteidiger die Qualität in der Spieleröffnung größer war als in der Standardkonfiguration. Verantwortlich dafür war natürlich das disziplinierte Mittelfeldpressing Heidenheims, in dem Kreilach - von Frank Schmidt im Vorfeld als Schlüsselspieler ausgemacht - mannorientiert verfolgt wurde und die Stürmer emsig daran arbeiteten, Passoptionen der Innenverteidiger ins Mittelfeld zu versperren (und Daube in Beschlag zu nehmen).

Hier brauche ich diese Woche glaube ich nicht viel analysieren, wir waren von Anfang nicht im Spiel. Das ist was ich jede Woche sage, auch wenn wir gewinnen: Wenn wir nicht unsere Leistung, unsere Bereitschaft zu 100% abrufen, wird es schwer für uns.

Jens Keller in der Pressekonferenz

Wie schon gegen Braunschweig hatte Dennis Daube die größten Freiheiten im zentralen Mittelfeld, hatte aber trotzdem weniger Ballaktionen als Kroos und Kreilach und kam vor allem zu kaum vertikalen, raumgewinnenden Pässen in der Zentrale. Das ist allerdings zumindest nicht nur auf individuelle Schwächen zurückzuführen - Daube litt eben unter den beschriebenen Mechanismen in ähnlicher Weise, wie Stephan Fürstner etc es in ähnlicher Position auch getan hätten. Allerdings ist Daubes Spielweise eventuell weniger passend für das, was möglich gewesen wäre.

Szene des Spiels

Nach 6:25 AFTV in der zweiten Halbzeit hat Union eine Ecke, die nach rechts vorn geklärt wird, und dort zu Pedersen kommt. Dass der (ansonsten durchaus wieder gute) Däne den Ball aus einer Position, die nicht mehr im Halbraum sein könnte, hoch in den Strafraum schlägt statt einen effektiveren Spielzug in der zweiten Welle einzuleiten, illustriert die Bemühungen Unions in diesem Spiel hinreichend.

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