Das Schlimmste ist, was funktioniert hat

D98-Union

Spieltag 32, 28. April: Darmstadt 3 - 1 Union. Die Aufstellungen zu Beginn: Diesmal ist Marvin Friedrich der Verteidiger, der im Mittelfeld aufgeboten wird. Grischa Prömel ist nicht fit genug für die Startelf, Akaki Gogia und Kenny Prince Redondo fangen nach guten Joker-Einsätzen an.

Union verliert 3-1 (3-0) in Darmstadt und nutzt damit die Chance, sich endgültig aus dem Abstiegskampf zu verabschieden, um das Gegenteil zu tun. Gegen die Mannschaft, die so sehr wie keine andere für Anti-Fußball steht, verabschiedet sich Trainer André Hofschneider endgültig von allen spielerischen Lösungen - ohne andere zu finden.

Unions Geheim-Training in dieser Woche machte sich insofern bezahlt, als tatsächlich wohl niemand mit der Aufstellung gerechnet hatte, mit der André Hofschneider in dieses Spiel ging. Zurück im 4231 spielte Marvin Friedrich im defensiven Mittelfeld neben Stephan Fürstner, Akaki Gogia und Kenny Prince Redondo flankierten Simon Hedlund auf der Zehn und Steven Skrzybski als Sturmspitze.

Nur, manche Dinge sind eben nicht ohne Grund überraschend, weil eben nicht so viel dafür spricht, sie so zu machen. Mit Marvin Friedrich wollte Union vielleicht mehr Präsenz gegen die häufigen langen Bälle Darmstadts auf den Platz bringen. Aber das Mittelfeld ist eben nicht die Zone, in die diese langen Bälle vornehmlich gespielt werden: Toni Leistner hatte am Ende neun defensive Kopfballduelle gewonnen, Friedrich eins, Pedersen hinter ihm vier.

Dafür war das Mittelfeld, wo Dirk Schusters Darmstädter Union aggressiv pressen wollten. Damit, dass er diesen Aspekt der Vorgabe nach dem Spiel als erfolgreich umgesetzt wertete, konnte aber eigentlich nur das Gegenpressing auf zweite Bälle gemeint sein. Denn freiwillig spielte Union noch viel seltener ins Mittelfeld als in den letzten Spielen. Mit Hedlund als sehr vertikalem Spieler auf der Zehn, und Friedrich, der in Ballbesitz maximal unambitioniert spielte und häufig auch zurückfiel, um die übliche Dreierkette zu bilden, blieb in der Zentrale oft nur Stephan Fürstner übrig. Getreu der Weisheit 'Doppelpass alleine - vergiss es' wurde er denn regelmäßig mit langen Bällen in die Spitze überspielt.

Das aus Union Perspektive besorgniserregende an dieser Herangehensweise an das Spiel ist, dass sie sogar einigermaßen funktionierte - und man so sehen konnte, wie unproduktiv sie war. Denn Skrzybski und Hedlund erliefen tatsächlich einige dieser langen Bälle, hatten dann aber davon nur schwierige Situationen mit Ballannahmen unter Druck und vom Tor weg. Daraus, dass passierte, was Union offensiv vor hatte, entstanden also kaum gefährliche Momente. Die gab es stattdessen (so oft wie es sie eben gab), wenn abgefangene Bälle schnell oder glücklich zu einem der Offensivspieler kamen. Die hatten bis zum 3-0 zwar Einzelaktionen, die zeigten, dass sie über individuelle Qualität verfügen, waren aber auch in diesen Aktionen glücklos.

So entschieden die drei Tore, die Darmstadt innerhalb von etwas mehr als zwanzig Minuten schoss, das Spiel. Diese Tore waren hochgradig vermeidbar, aber eher auf der Ebene individuellen Verteidigens und mit der besseren Umsetzung von Gruppen-Mechanismen. So tauschten vor dem 1-0 Trimmel und Gogia ihre Gegenspieler zu langsam, sodass Holland überhaupt zu seinem stolpernden Dribbling kam. Und beim 2-0 stimmte die Zuordnung dergestalt nicht, dass Platte gar keinen Verteidiger und Torrejón, Pedersen und Trimmel keinen Angreifer bei sich hatten.

Szene des Spiels

Das dritte Tor für Darmstadt schließlich fiel, als die Hessen nutzten, dass sie mit Marvin Mehlem mindestens einen Fußballspieler haben, und so eine Ecke provozierten. Bei der schlugen dann drei Darmstädter Luftlöcher, von denen das letzte viele Lilien im Rasen hätte entwurzeln können, den Ball aber auch perfekt für den vierten Versuch aufsetzte. Allerdings sieht gute Standard-Verteidigung auch anders aus, als allen Angreifern Möglichkeit zu geben, sich Platz zu verschaffen, und den Ball in diese Gasse nicht zu verhindern.

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vgwort

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