Die Galerie spielen

Normalerweise geht es in diesem Blog um den Fußball selbst. Weil bei Union aber auch um das Feld herum interessante Dinge geschehen, wollen wir auch darauf hin und wieder eingehen und über Dinge wie die aktuell im Stadion stattfindende Ausstellung mit Kunst von Frank Rödel berichten, mit dem zu sprechen Eiserne Ketten am Rand des Spiels gegen Nürnberg Gelegenheit hatte.

Rödel 1

Bald Eagle/ Alaska 2, 2008, Acryl auf Leinwand, 170x130, 8.500€

Einigen der Besucher der Häppchenetagen des Stadions an der Alten Försterei, die sich dort eine Stunde vor Anpfiff der Partie gegen Nürnberg einfinden, ist die Verwunderung über die Dekoration des Flurs der dritten Etage unschwer anzumerken: "Das hat ja gar nichts mit Fußball zu tun - oder?"

Nein, die Ausstellung von Gemälden und Photographien des in Weimar geborenen und in Berlin aufgewachsenem Frank Rödel hat in der Tat nicht viel mit Fußball zu tun. Der Sport kommt in den Arbeiten, die Städte und spektakuläre Landschaften zeigen, nicht vor. Und es besteht auch kein hintergründiger Bezug zwischen dem Verein und dem Künstler, der an diesem Abend zum ersten Mal ein Spiel des FC Union sehen wird.

Warum findet diese Ausstellung also im Stadion an der Alten Försterei statt? Stephanie Ahlberg, die Geschäftsstellenleiterin des Wirtschaftsrats des Vereins ist und die Ausstellung organisiert hat, sieht in solchen komplementären Aktivitäten des Vereins die Chance, an Menschen heranzutreten, die über das Stadionerlebnis, das den Verein ausmacht, vielleicht nicht zu Union kämen. Gleichzeitig erhöht, so ihre Hoffnung, die Ausstellung die Attraktivität des Vereins und seines Stadions für das (Logen)Publikum, das an Spieltagen oder bei einer der Veranstaltungen, die in diesen Räumen sonst so stattfinden, diese Teile des Stadions frequentieren.

Berlin ist wie ein großes Kaleidoskop, man schüttelt es, und schon ergeben sich neue Muster

Frank Rödel

Dass dazu auch ein merkantiler Aspekt gehört ist offensichtlich, nicht zuletzt darin, dass auf den Plaketten neben den Bildern auch deren Verkaufspreis notiert ist (hint: eher so teuer wie einige Dauerkarten). Aber nicht nur, weil Erlöse aus dem Verkauf von Bildern der neuen Union Stiftung zu Gute kommen, hat wirkt die Aktion kompatibel mit dem, was Union in der Eigen- und aktuellen Fremdwahrnehmung ausmachen soll.

Denn auch inhaltlich finden sich in der Kunst Rödels vielleicht doch Bezugspunkte zu dem Kontext, in den sie hier gestellt wird. Die Bilder zeigen eher die repräsentativen Orte der Stadtmitte als Köpenick, etwa die Quadriga, das Bode Museum und in einigen 'Visionen' das Humboldtforum. Aber der Blick -manchmal vielleicht erst der zweite oder dritte - auf diese Orte problematisiert sie auch. Rödel sagt über die Stadt, dass "sie aus der Historie durch ihre Brüche lebt," und dass auch deswegen in den Kollagen neben Ideen zur Zukunft des Humboldtforums Motive wie Truppenaufmärsche vor dem ersten Weltkrieg und das kriegszerstörte Stadtschloss vor der Sprengung in der DDR vorkommen.

Ähnlich widersprüchlich und, trotz ihrer Monumentalität, fragil, sind auch die Landschaften der Arktis und der Sahara, die als zweites große Thema in den ausgestellten Werken vorkommen. In ihrer Wirkung und Plastizität, so Rödel, erkenne er seine eigene Körperlichkeit wieder. Statt hübscher Aquarellschlenker erkenne er sich eher in Reibung und "Borstigkeit" wieder. Spätestens an diesem Punkt findet sich dann vielleicht doch eine Verbindung zum Fußballerlebnis in diesem Stadion.

Weitere Bilder finden sich in dieser Strecke.

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