Eigentlich gut

Ein stark verbessertes Union erreicht mit reanimiertem Pressing und ausbaufähiger Chancencreation gegen Braunschweig ein, allerdings nicht ungefährdetes, Unentschieden - nur.

Union presst anders, aber vor allem mehr

Union

Spieltag 6, 15.September: 1. FC Union 1 - 1 Eintracht Braunschweig. Die Aufstellung zu Beginn, in der zweiten Halbzeit stellte Braunschweig auf eine 4132 Ordnung um.

Nachdem Unions Pressing in den ersten Spielen dieser Saison deutlich weniger effektiv war als in der vergangenen, war es in dieser Partie wieder deutlich präsenter. Dazu trug neben einigen Faktoren, die nicht im engeren Sinn taktisch waren, auch eine leichte Änderung der Rollenverteilung bei.

Zu den nicht-direkt taktischen Randbedingungen gehörte die leichte Ergebniskrise Unions, das mit einer Serie von drei sieglosen Spielen in die Partie ging. Die Bilanz Braunschweigs ist - bei nicht sehr viel niedrigeren Ansprüchen - zwar nicht besser, aber der Heimvorteil und die Spielanlage beider Mannschaften reichten aus, Union die Rolle der aktiven Mannschaft zuzuweisen-bis-aufzuzwingen.

Union konnte damit aber auch ganz gut leben, denn Braunschweigs Hintermannschaft gehört nicht zu den spielstärksten der Liga, insbesondere Torhüter Fejzic ist in seinem Passspiel nicht besonders sicher. Das erhöht den Ertrag von hohen Pressingaktionen und erlaubte es Union, gegen den Ball größere Risiken einzugehen als zuletzt.

'Größere Risiken' heißt hier, dass die Doppelsechs (vertikal gestaffelt) weiter aufrückte, größere Räume zwischen sich und der letzten Linie ließen und weniger Kapazitäten hatten, die Abwehr in der Verteidigung von Bällen zu unterstützen, mit denen Braunschweig das Pressing kontrolliert überspielte. Andererseits war das Risiko des Zustandekommens solcher Situationen geringer, wobei auch die bereits angedeutete Umstellung half:

Während in den vergangenen Spielen der zentrale offensive Mittelfeldspieler im Pressing neben Sebastian Polter in die Spitze rückte, orientierte sich Marcel Hartel nun in dieser Position enger am jeweils weiter zurückfallenden Sechser Braunschweigs. Er verfolgte so Samson, wenn dieser sich für etwas kürzere Anspiele anbot, oder rückte auf Boland heraus, wenn der seitlich abkippte. So wurde Unions Pressing seltener überspielt als etwa gegen Düsseldorf. Dank Polters Qualitäten im Zweikampf und Fejzic erratischer Ballverteilung kam Union außerdem zu wertvollen Ballgewinnen, auch wenn unkontrollierte Befreiungsschläge natürlich die häufigere Folge funktionierenden Pressings sind. Gegen diese war Union aber ähnlich gut gewappnet wie in der letzten Saison, auch und vor allem, weil Toni Leistner zu seiner 16/17 Form zurück fand.

Angriffsauslösung

Auch im Aufbau zeigte sich Union im Vergleich zur Niederlage in Düsseldorf verbessert. Mit Hartel, der aus dem offensiven Mittelfeld immer wieder Schleifen lief, um sich im Aufbau anzubieten, hatte man mehr Optionen. Die Sechser nutzten ihre Überzahl in ihrem Raum im Mittelfeld besser und spielten viele Ablagen auf die Außenverteidiger, deren Vorstöße von wechselhaftem Erfolg gekrönt waren, wobei vor allem von Pedersen technische starke Aktionen in Erinnerung bleiben. Vor allem aber spielten die Innenverteidiger viele Pässe direkt auf die offensiven 'Außen', die erneut gut die Halbräume besetzten. Hedlund war dabei unter anderem effektiver, weil Braunschweigs rechte Abwehrseite deutlich schwächer war als die linke mit Reichel und Boland. Gogia dagegen war etwas weniger produktiv, was vor allem an kleinen Ungenauigkeiten nicht nur in seinem eigenen Spiel lag.

FCU-EBS xG

Die expected goal Zahlen von FiveThirtyEight zeigen Union zum dritten Mal in Folge mit einem schlechteren Ergebnis als Chancenverhältnis.

Dass viele Zuschauer seine Leistungen recht kritisch sahen hat vermutlich auch damit zu tun, dass die Leite(tm) dazu neigen, Ballverluste in Dribblings als schwerwiegender wahrzunehmen als andere, die de facto mindestens genauso gefährlich und häufig sind.

Zu den kombinativen Versuchen, die zum Teil sehr gut waren, kamen auch in diesem Spiel lange Bälle in die Spitze, die allerdings besser eingebunden waren als zuletzt, indem sie häufiger und konsequenter nach-gepresst wurden.

Angriffsauflösung

Insgesamt wurde Union mit zunehmender Spieldauer und unbefriedigendem Ergebnis ungeduldiger, was sich ab etwa der 35. Minute in unnötigen Abschlüssen aus schweren Positionen äußerte.

Vor allem Marcel Hartel tat sich hier mit insgesamt sechs Schüssen hervor. Auch wenn einer davon - der Lattentreffer - eine gute Aktion war, zeigte Union Schwächen in der Entscheidungsfindung, die mit dem suboptimalen Verhalten nach Führungen in den letzten Spielen parallel laufen.

In der zweiten Halbzeit stellte Braunschweig gegen den Ball auf eine Ordnung mit zwei Spitzen um. So konnte man die Anspiele aus der Innenverteidigung auf das offensive Mittelfeld besser verhindern und hatte außerdem etwas mehr Präsenz für Konter, zu denen Braunschweig nun häufiger kam. Union investierte viel in seine Offensive und suchte vor allem Hedlund immer wieder in den Halbräumen. Dabei wurde der Fokus (bis zu Skrzybskis Einwechslung) fast zu sehr auf den Schweden gerichtet, auf den sich nun auch Braunschweigs Defensive einschließlich des rechten Mittelfeld stärker konzentrierte.

Szene des Spiels

Leistner FCUEBS

Toni Leistner machte sein bestes Saisonspiel, Photo: Hupe/unionfoto.

Die 29. Spielminute, als Union zuerst eine Ballbesitzphase beginnt, und sich schließlich eine Großchance erspielt. Nachdem Christopher Trimmel einen Flugball von Busk gut im Spiel hielt, verlor Union in Person des nach innen ziehenden Gogia den Ball. Obwohl Gogia, Hartel, Kreilach und Kroos recht gut ins Gegenpressing kamen gelang es (dem guten) Boland, den Ball in die Spitze zu spielen. Diesen Pass fing Toni Leistner sehr gut und proaktiv ab. Das war ebenso typisch für seine Leistung wie der folgende Pass auf Hedlund, mit dem Union wieder in die Offensive umschaltete. Der Schwede spielte im Anschluss eine Art Doppelpass mit Kroos über das gesamte Angriffsdrittel und erarbeitete sich mit einem starken Laufweg eine sehr gute Chance, verzog aber den Abschluss (for once).

Kroos wird von manchen gern und oft kritisiert. In manchen Fällen liegt das an Gehässigkeit der Beobachter, in anderen daran, dass die Dinge in Kroos Spiel, die gelegentlich schief gehen, auffällig sind. In diesem Pass zeigte sich Kroos Qualität, in seiner Bewegung ins Gegenpressing zuvor sein Engagement.

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