Union gibt das gleiche Bild ab

Informationen darüber, wie eine Mannschaft Fußball spielt, werden manchmal (oft) merkwürdig verarbeitet. So spielte Union bisher eher durchschnittlichen Fußball, erschien aber, weil es in einer informationslosen Tabelle Erster war, als Mannschaft der Stunde. Diesen Status verlor Urs Fischers Mannschaft nun mit einem 0-0 in Sandhausen wieder - obwohl sie wenig anders spielte als zuvor und nichts Neues über sich und ihre Entwicklung verriet.

SVS-Union

Die Aufstellungen zu Beginn: Nach einem Ligaspiel in der Startelf findet sich Felix Kroos wieder auf der Bank, nun hinter Robert Žulj. Außerdem spielt Kenny Prince Redondo - zum ersten Mal in seiner Union Karriere auf der rechten Seite.

Union begann das Spiel mit dem 433, an dem sich in dieser Saison bisher nur die Besetzung einiger Positionen geändert hat. Kenan Kocaks Sandhausen formierte sich in einem 352, das manchmal aber auch drei Stürmer hatte.

Das war vor allem dann so, wenn Union den Ball hatte und versuchte, das Spiel aufzubauen (oder auch nicht, denn allzu oft gab Union damit schnell auf). Sandhausen 'presste' dann eher vorsichtig im Raum von Unions defensivem Mittelfeld. Diese Räume ließ Union aber oft unbesetzt, mit Prömel und auch Schmiedebach weiter vorn. So entstand oft ein großes Loch dort, wo man eigentlich die Schaltzentrale des eigenen Spiels vermuten würde. Entsprechend selten schaltete Union in einen Ballbesitzmodus. Stattdessen gab es viele lange Bälle und wenige angekommene Pässe - Union kam am Ende nur auf knapp über 200 angekommene Anspiele aus knapp über 300 Versuchen.

Wenn sich Unions Sechser im Sechser einmal in ihrem angestammten Raum anboten, wurden sie allerdings auch von Sandhausens Achtern eng verfolgt, und hatten kaum eine andere Möglichkeit, als den Ball zurück zu einem Innenverteidiger oder Gikiewicz prallen zu lassen. Der Versuch, mit einem langen Ball, oder, seltener, einem Dribbling auf den Außen nach vorn zu kommen, wurde so nur um ein paar Aktionen in der Sequenz aufgeschoben.

Wie gesagt, diese Muster in Unions Spiel sind nicht neu, und waren so ähnlich zumindest auch gegen Aue und St. Pauli zu erkennen. In Sandhausen traf man nun nur (absehbarer Weise) auf einen Gegner, der Union keinen Raum für Konter gab. Und weil auch nicht, wie vor einer Woche, auf anderen merkwürdigen Wegen Tore fielen, hatte Union nur so viele Offensivaktionen, wie die eigene Spielweise aus sich heraus zu produzieren im Stande ist. Das waren dann nicht sehr viele. Unions expected goals Werte waren übrigens identisch mit denen aus dem Spiel gegen St. Pauli (0,8-0,8, via FiveThirtyEight). Das heißt auch, dass es Union schon zum dritten Mal in dieser Ligasaison gelang, nach expected goals Unentschieden zu spielen.

SVS-Union xG

Die expected Goals Statistiken von 538: Die erste Zeile zeigt die tatsächlich erzielten Tore (unter Einbeziehung von Faktoren wie Überzahl und Zeitpunkt), die zweite die Qualität der Chancen basierend auf Abschlüssen, die dritte basierend auf allen Aktionen in Tornähe. Die Prozentzalen oben verweisen auf die Prognose des Ergebnis vor dem Spiel.

Dieses statistische Remis entspricht dabei nicht einmal der Wahrnehmung des Spiels, in der Sandhausen die besseren Gelegenheiten hatte. Das lag einerseits daran, dass die Gastgeber aus einer eigentlich schlechten Lage einen gefährlichen Schuss produzierten. Andererseits daran, dass einige gefährliche Momente Sandhausens nicht in zählbaren Abschlüssen, sondern knapp im Abseits oder einem strittigen Zweikampf endeten. Aber schließlich auch daran, dass Sandhausen in einigen Situationen auf die für das Spiel typischen unordentlichen Situationen schneller und besser reagierte und so einige echte Großchancen hatte.

Szene des Spiels

Diejenige Szene, der Union den Großteil seiner 0,8 erwarteten Tore verdankte: Prömels Chance in der 81. Minute. Auch in dieser Situation kam Union zwar (bis zur Flanke) nicht wirklich in Sandhausens Defensivordnung hinein. Aber Žulj und Prömel zeigen in der Verarbeitung eines von Hübner herausgeköpften langen Balles Mut, eine enge Situation zwischen drei Sandhäusern spielerisch zu lösen, bevor beide auch im weiteren Verlauf des Angriffs beteiligt sind. Der Neuzugang aus Hoffenheim bindet mit Hartel und Reichel durch Dribblings und Freilaufen mehrfach Gegenspieler, bis das Union zwar keinen Durchbruch, aber Hartel Platz und Zeit für eine vorbereitete Flanke verschafft. Den Abpraller kann Prömel aus kurzer Distanz nicht verwerten.

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