Keine Spitze

Dem Clichée einer Spitzenmannschaft entsprechend gewinnt Union ein Spiel, in dem es nicht an Leistungsspitzen heranreicht.

Grundausrichtung

Union-KSC

Die Aufstellung zu Beginn. Zejnullahu statt Kroos ist die einzige Änderung auf Seiten Unions, während Karlsruhe aus verschiedenen Gründen gleich sechs Änderungen im Vergleich zur unglücklichen Niederlage in München vornimmt.

Im Vorfeld des Spiels stellte sich auch 'hier' die Frage, wie Jens Keller auf die Abwesenheit von Felix Kroos reagieren würde. Er entschied sich für Eroll Zejnullahu - und wurde von ihm darin bestätigt.

Union behielt also die Grundordnung der vergangenen Spiele bei, in der allerdings neben Zejnullahu auch Steven Skrzybski seine Rolle anders interpretierte.

Dass die Partie viel knapper und umkämpfter ausging, als der Spielverlauf in der ersten Hälfte vermuten lässt, lag auch an Mirko Slomkas Plan für seine gerade spielerisch ersatzgeschwächte Karlsruher Mannschaft. Die Badener spielten in einem 442, das sie anders als eine Woche zuvor Bielefeld nutzten, um dem Spiel einen unruhigen Rhythmus aufzuzwingen und sich Spielanteile im eigenen Angriffsdrittel zu erarbeiten.

Was es Union schwer machte

Das gelang, indem die Außenverteidiger der Badener recht weit aufrückten, während die Außen im Mittelfeld fast 424-haft auf einer Höhe mit den zentralen Spitzen spielten. Diese Präsenz wurde mit vielen langen Bällen unterstützt.

Union war so in der Spielanlage gar nicht so viel vorzuwerfen. Zwar hätte die Effektivität der Strategie Karlsuruhes limitiert werden können, hätte man weniger 'dumme Freistöße zugelassen,' wie Jens Keller nach dem Spiel monierte. Aber immerhin nahm Karlsruhe so über weite Strecken Union die Gelegenheit, seine Stärken im Pressing einzusetzen. Dieses Pressing dient schließlich oft dazu, genau die Aktionen zu provozieren, auf die Karlsruhe von sich aus setzte.

Pässe ksc

Wie in der 11tegen11 Passgraphik gut zu sehen stand vor allem Stoppelkamp im Fokus des Karlsruher Spiels, der über Ablagen auch die Sechser ins Spiel brachte.

Trotzdem versuchte Union gerade in der zweiten Halbzeit in ein höheres Pressing und zu mehr Kontrolle über die Art der langen Bälle zu kommen, die Karlsruhe spielen konnte. Dabei sollten Polter und die jeweils ergänzende Spitze die Karlsruher Verteidiger mit gebogenen Läufen von innen nach außen unter Druck setzen, um zumindest Bälle ins eigene Abwehrzentrum zu unterbinden.

Expected goals Verlauf

Die xG Darstellung der Abfolge der Torchancen zeigt, dass Union nach der frühen Führung nicht sehr viel kreirte. Allerdings fehlt hier die Situation zum 0-2, da das Modell auf Schüsse beschränkt ist und bei dem Eigentor kein Schuss abgegeben wurde - genau wie bei Skrzybskis potentieller Elfmeterszene.

Mit der Einwechslung von Michael Parensen sollte wohl die Verteidigung solcher Bälle gestärkt werden. Das gelang jedoch kaum, weil Unions Mittelfeld oft überspielt wurde und es so nur eine untergeordnete Rolle spielte. Im Gegenteil ließ sich Union in der Schlussphase noch verstärkt in die Strafraumverteidigung drängen - diese Entwicklung kulminierte in der Umstellung auf 541 in den letzten Minuten. Es gelang nicht, mit eigenen Aktionen das Geschehen in komfortablere Räume zu verlagern.

Union nach vorn

Dazu konnte im bisherigen Spielverlauf auch Eroll Zejnullahu nicht unbedingt beitragen - und dass, obwohl der 22-jährige ein ordentliches bis gutes Spiel machte. Doch Erolls gute Aktionen kamen als Teil eines sehr engagierten Auftritts in einer recht vertikal ausgelegten Rolle zwischen Acht und Zehn, und nicht in einer Ballzirkulation, die zu mehr Spielkontrolle beitragen könnte. Damit einher gingen, den Spielsituationen entsprechend, auch viele nicht angekommene Pässe und unterbundene Dribblings.

radar chart Eroll

Dass Zejnullahu längst kein kompletter Spieler ist zeigt auch die graphische Darstellung seiner Leistungen in der vergangenen Saison (dank an Football Radars ). Dabei ist zwar Vorsicht geboten, nicht System-Effekte mit bleibenden Charakteristika von Spielern zu verwechseln, zeigt sich aber auch, dass die Pass- und Dribblingwerte eher zu einer Rolle wie der für dieses Spiel beschriebenen passen.

Auch Jens Keller hob nach dem Spiel hervor, dass Zejnullahus Läufe in die Tiefe wichtig gewesen seien. Damit hatte Union eine Anspielstation, die nicht erst in der vordersten Linie bestand und so etwas sicherer zu erreichen und aussichtsreicher für eigene Angriffe war.

Zu Unions Offensivspiel leistete Zejnullahu so einen entscheidenden Beitrag, da er die Pässe in gefährlichen Zonen spielte, die ansonsten selten waren.

Expected goals Karte

Die Expected Goals Karte des Spiels wird von der Abwesenheit der Elfmeter und des Eigentores etwas verzerrt. Interessant sind dagegen die Statistiken zu tiefen angekommenen Pässen, bei denen Karlsruhe deutliche quantiative Vorteile hat. Im Strafraum kam der KSC vor allem nach Standards zu vielen Abschlüssen.

Weil Union ungewöhnlich selten selbst das Spiel ruhig aufbauen konnte, schaltete sich auch Steven Skrzybski anders als zuletzt ins Spiel ein. War er in Dresden noch eher außen vor, beteiligte er sich hier an den Angriffen Unions, indem er sich etwas weiter nach hinten und innen fallen ließ und so auch aus dem zentralen defensiven Mittelfeld anspielbar wurde, und außerdem auf dem offensiven Flügel Räume für den aufrückenden Christoph Trimmel öffnete.

Szene des Spiels

Die spielerisch vielleicht spektakulärste Szene gab es früh zu sehen, nach 3 min AFTV-Zeit, als Toni Leistner einen sehr langen, flachen Pass an vielen Karlsruhern und Unionern vorbei auf Simon Hedlund spielte, dessen abgefangene Weiterleitung ihren Weg zu Zejnullahu fand bevor Eroll mit einem guten Pass Trimmel bediente. Die Hereingabe des Österreichers wurde zur Ecke geblockt.

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