Live aus dem Irgendwo

Liveanalyse aus Sandhausen, wo den FC Union eine unangenehme Aufgabe erwartet.

Präambel

Nach einem Spiel mit Licht und (Deckungs)Schatten gegen Stuttgart, das insgesamt aber als starke Leistung Unions gewertet werden kann, steht die Mannschaft von Jens Keller im Nordbadischen vor entgegengesetzten Aufgaben. Musste man sich im Heim-Spitzenspiel mit einer in allen Phasen sehr aggressiv auftretenden VfB-Mannschaft auseinandersetzen, ist von Sandhausen eher eine passive Herangehensweise zu erwarten. Dabei sind zwar vereinzelte Pressingversuche durchaus zu erwarten, doch insgesamt wird Kenan Kocaks Mannschaft sich darauf konzentrieren, im 442/4411 diszipliniert zu verschieben und nach Ballgewinnen die relativ schnellen Außen und den durchschlagskräftigen Wooten zu suchen.

Angesichts dieser Anforderungen wird es interessant sein zu sehen, in welcher Besetzung das Union-Mittelfeld auflaufen wird. Fürstner wäre eine ruhiger ballverteilende, Daube eine beweglichere und offensivere und Eroll Zejnullahu eine kreativere Option.

Grundausrichtung

Sandhausen-Union

27.11.2016, SV Sandhausen - 1. FC Union Berlin: Sandhausen ist in einem eher passiven 442 zu erwarten, während Jens Keller wohl zum 433 zurückkehren wird, bei dem die Besetzung der Zentrale die am weitesten offene Frage ist.

Jens Keller hat sich im zentralen defensiven Mittelfeld für Dennis Daube entschieden. Das deutet zum einen daraufhin, dass er Daubes - seiner Einschätzung nach - größeren Offensivqualitäten für wichtiger als defensive Faktoren hält, also vielleicht auch mit einem eher tiefstehenden Gegner rechnet. Andererseits wirft es die Frage auf, ob Daube - anders als in der Vorwoche - mit seinem Stellungsspiel Balance in den Aufbau der Köpenicker bringen kann.

Indes kommen die Mannschaften zum Aufwärmen auf den Rasen zwischen den Stahlrohrtribünen des Hardtwaldstadions in Sandhausen.

Was könnte Sandhausen anderes als das skizzierte konventionelle 442 machen? Sollte Union mit Raute spielen müssten die Gastgeber eine Entscheidung treffen, entweder die dann eklatante Unterzahl im Zentrum auszugleichen, und/oder die eigenen offensive Potentiale via der unterbesetzten Außen zu nutzen. Denkbar wäre, dass Pledl mit letzterem betraut wäre, und Kosecki auf einen deinen der Achter Unions einrückt.

Aber sollte Union im 433 oder mit Raute spielen. Die Aussagen Kellers in der PK fühlten sich eher nach 433 an, was eine passende Reaktion auf die Probleme in der Flügelverteidigung mit Raute wäre, die gegen Stuttgart deutlich waren und vom 442 Sandhausens ebenfalls hervorgerufen werden könnten. Um im Mittelfeld Durchschlagskraft zu erreichen, könnten die Außen in den Zwischenlinienraum einrücken um Pässe dahin zu ermöglichen und wird es wichtig sein, dass Daube sich passend bewegt um Verbindungen zwischen Innenverteidigung und Achtern zu schaffen.

1. Halbzeit

1. Minute

Union beginnt augenscheinlich tatsächlich im 433, Sandhausen wenig überraschend mit 442.

8. Minute

Ein zerfahrener Beginn mit wenig ausgespielten Aktionen, obwohl sich andeutet, dass es für die Außenstürmer Unions Platz in den Halbräumen geben könnte, in den Skrzybski bisher noch nicht mit dem richtigen timing geschickt wurde.

12. Minute

Erste größere Chance, nachdem Quaner --- 1-0 Union

Zunächst hatte Quaner einen Ball gut behauptet und Hedlund eingesetzt, dessen Schuss zur Ecke abgewehrt wird. Nach der Kroos per Volley trifft.

17. Minute

Sandhausens Stürmer pressen öfter hoch auf Leistner und Puncec, sodass Daube frei bleibt. Allerdings wird er deshalb auch noch nicht konstant gefunden.

23. Minute

Eine der konstantesten Stärken Unions in dieser Saison, die individuell starken Abwehrleistungen, wackelt heute etwas.

28. Minute

Noch immer gibt es wenig ruhiges Aufbauspiel, öfter sucht Union direkt die Läufe Hedlunds und Skrzybskis oder die Brust von Quaner, Sandhausen hingegen Wooten.

32. Minute

Zwei solche Situationen führen zu einer Chance für Quaner, bei der die Ablage auf Hedlund verpasst, und einer gelben Karte nebst vielversprechendem Freistoß auf der anderen Seite.

40. Minute

In einer ungeordneten Phase hat Sandhausen einige Gelegenheiten, Wootens Klasse ins Spiel zu bringen. Einen ansatzlosen (und abgefälschten) Schuss aus der Drehung und kurzer Distanz, den Busk sensationell hält.

Halbzeit

Es geht mit dem 0-1 in die Pause. Union hatte mehr gefährliche Offensivaktionen und insgesamt mehr vom Spiel, vor allem dank der Präsenz von Quaner und seinen Ablagen auf die einrückenden Außenstürmer. Das Mittelfeld ist dagegen nicht stark in den Aufbau eingebunden, und die Achter hatten nur wenige Szenen im Umschaltspiel, wo Kreilach einige Male gut Bälle verteilte. Sandhausen entgeht den Pressingansätzen der Köpenicker, indem es früh lange Bälle spielt, die Unions Hintermannschaft in eins-gegen-eins Duelle vor allem mit Wooten und Pledl zwingt.

Pässe SAND-fcu

Die Passgraphik für Sandhausen zeigt ihren direkten Ansatz vor allem in den schwachen Verbindungen der hinteren Fünf zum zentralen Mittelfeld - und dem starken Link zwischen Torwart und Innenverteidiger Gordon und den Stürmern. Wie immer Dank an 11tegen11).

Fürstner macht sich währenddessen in der Halbzeit in kurzen Hosen und Sprints warm. Der Sechser kommt in der Tat für Daube ins Spiel.

2. Halbzeit

48. Minute

Fürstner bringt etwas mehr Ruhe in das Mittelfeld Unions und einige Bälle gut zu Quaner, der daraus, und aus einem guten Gegenpressingmoment, eine fast-Chance kreirt.

53. Minute

An den Mustern des Spiels ändert sich wenig, auch wenn Sandhausen nun etwas höher aufrückt und versucht, Druck auszuüben.

60. Minute

Sandhausen wechselt, auf Linksaußen kommt Vollmann für Kosecki. Die Heimmannschaft hat in dieser Phase mehr Ballbesitz, spielt aber weiter mit den gleiche direkten Mitteln wie bisher. Union tut sich schwer, diesen Trend umzukehren, auch weil es keine Ansatzpunkte für Pressing gibt. Kommt die Mannschaft in Rot an den Ball, sucht sie schnell entscheidende Pässe. So das 2-0 zu erzielen scheint die wahrscheinlichste Option, das Spiel zu beruhigen.

67. Minute

Ein sauberer Konter über Skrzybski und Kreilach kommt dem am nächsten, der Abschluss des Stürmers trifft den Pfosten.

70. Minute

Bei Sandhausen kommt Sukuta Pasu. Interessanter als das Spiel von Sandhausens Linsmayer sind übrigens die Podcasts seines Namensvetters, des Philosophen und Musikers Mark Linsenmayer, Partially Examined Life und Nakedly Examined Music.

76. Minute

Bei Union kommt Redondo für Hedlund, der in den letzten Minuten zunehmend glücklos agierte. Bei einem nicht als Foul gewerteten Einsatz von Leistner kommt dann sogar so etwas wie Stimmung auf. Der letzte Wechsel der Gastgeber: Vunguidica für Höler. Auch das positionsgetreu.

80. Minute

Auf der Anzeigetafel werden S-Bahnverbindungen angezeigt und auch sonst gibt es nichts Neues.

85. Minute

Es ist kein Festival der taktischen Einfälle und Entwicklungen. Daran ändert auch eine Großchance Sandhausens nach Freistoßflanke nichts. Ebensowenig wie die bevorstehende Einwechslung von Benjamin Kessel, er kommt für Skrzybski.

Pässe sand-FCU

Auch Unions zentrales Mittelfeld ist kaum eingebunden, interessanterweise spielen auch die Innenverteidiger kaum eine Rolle. Quaner war Zielpunkt der meisten Bemühungen und kam etwas tiefer, um Bälle aufzunehmen, während Skrzybski erst in der letzten Phase eingebunden wurde.

88. Minute

Allerdings erwachsen aus der zunehmenden Passivität Unions entstehen etwas mehr Halbchancen für Sandhausen als nötig wäre.

Schluss

Expected goals Union-VfB

Die Chancenverlauf des Spiels. Sandhausens Gesamtzahl wird stark von einer einzelnen Chance getragen, was die Bilanz etwas verzerrt.

Eine letzte große Chance für Redondo verstreicht. Es bleibt beim 0-1, Union gewinnt glanzlos in Sandhausen.

Epilog

Ein Spiel, das wohl niemandem besonders viel Spaß gemacht, gewinnt Union mit einem utilitaristischen Ansatz. Auch in den Aussagen von Spielern und Trainer nach der Partie wurde deutlich, dass die drei sieglosen Spiele zuletzt das Selbstvertrauen der Mannschaft angekratzt hatten und man auch deshalb auf direktes Spiel nach vorne gesetzt hat. Interessanterweise ließ Jens Keller durchscheinen, dass die Mannschaft diese Entscheidung zumindest mit getroffen hat.

Hier ist es echt ekelhaft zu spielen.

Stephan Fürstner

Sowohl Steven Skrzybski als auch Toni Leistner betonten nach dem Spiel das man versucht habe, über das Gegenpressing zu Chancen zu kommen. Gegenpressing der reinen Lehre gab es zwar mangels Ballbesitzphasen auf jeder Seite kaum, aber tatsächlich kam Union nach abgefangenen Bällen zu Konterchancen, die klarer waren als die gezwungenen Versuchen Sandhausens, mit hohen Bällen Druck aufzubauen.

Expected goals Sand-Union

Die Expected Goals Karte des Spiels. Der flankenreiche Ansatz Sandhausens bringt viele mittelmäßige Abschlüsse, während Union weniger und schlechtere und weniger Chancen hatte als von vielen wahrgenommen.

Dass niemand wirklich kontrolliert spielte bedeutete auch, dass Union die Schlussoffensive der Heimmannschaft nicht unterbinden konnte, sondern keine andere Wahl hatte, als sie konzentriert zu verteidigen. Dass das gelang, spricht für diese Union Mannschaft, auch wenn sie heute wenig subtilere Qualitäten zeigen konnte.

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