Ein Spiel

Mit guter Chancenverwertung ging man gegen den Tabellendritten 2-0 in Führung, doch am Ende führten die eigenen Schwächen doch dazu, das Spiel zu verlieren. Doch genug über Rayo Vallecano - Real Madrid. Union verliert in Nürnberg 6-2 (0-2). Dem ersten Anschein entgegen war dies dennoch kein Spiel mit zwei grundverschiedenen Halbzeiten.

Grundausrichtung

Wie im letzten Auswärtsspiel in Paderborn trat Union mit einer Raute im Mittelfeld an und traf damit auf das flache 442 der Nürnberger. Da beide Mannschaften ihr jeweiliges System ziemlich orthodox ausführten zeigte das Spiel die typischen Wechselwirkungen dieser beiden Formationen: Flügelfokus im Angriffsspiel der Nürnberger versus Unioner Kombinationen im und durch das Zentrum. Schon das Torschussverhältnis von schlussendlich 26 - 5 vermittelt einen Eindruck davon, wer sich an diesem Tag öfter durchsetzte.

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Den gesperrten Brandy ersetzt Nikci (von ambivalent versorgt zu polyvalent eingestzt) als Sturmpartner von Bobby Wood, auch Stephan Fürstner kommt mal wieder zum Einsatz.

Was funktionierte

Bevor der Samstagmittag einige (ca 6-7) Wendungen zum schlechteren nahm, war Union zu Beginn des Spiels tatsächlich ebenbürtig und führte zwar (dank überdurchschnittlicher Chancenverwertung) etwas glücklich, aber nicht gänzlich unverdient mit 2-0. Hauptverantwortlich dafür, dass man in dieser Phase anders als im weiteren Verlauf Nünberg recht gut von gefährlichen Offensivaktionen abhalten konnte, war ein verlässliches Mittel, sich aus dem Pressing der Hausherren zu befreien.

Weil die Franken sich entschieden, ihre Flügelspieler an den Achtern Unions (Kroos und Zejnullahu) zu orientieren. Dadurch waren sie einerseits in der Lage, oft zu viert großen Druck auf den ballführenden Union Spieler im Aufbau auszuüben, ließen andererseits aber die Außenverteidiger frei. Kessel und vor allem Parensen standen also als Ziel für entlastende Spielverlagerungen bereit, die vor allem Stephan Fürstner einige Male gut spielte.

Kamen solche Bälle an, boten sich zwei Wege nach vorn für Union. Entweder, der Außenverteidiger nutzte den Platz vor ihm selbst für Vorstöße (wie beim 1-0). Oder man versuchte, mit Schnittstellenpässen die Unruhe in der Nürnberger Mannschaft zu nutzen, die im Verschieben in Reaktion auf die Verlagerung entstand. In solchen Situation tat sich vor allem Eroll hervor, der eine seiner stärksten Leistungen in dieser Saison zeigte.

Where it all went wrong that day

Dass Union in der Rückrunde (bisher) eine sehr starke Defensivbilanz vorzuweisen hatte, war in vielen Spielen vor allem starker Strafraumverteidigung und guter individueller Leistungen vor allem der Innenverteidiger, sowie seltener auch guten Ansätzen im Pressing zu verdanken. Beides konnte in dieser Partie nicht zum Tragen kommen, und im Ergebnis wird das dieser Strategie inhärente Risiko deutlich.

Nürnberg konzentrierte sich in seinen Offensivbemühungen vor allem darauf, schnell die offensiven Flügel zu finden. Dort war Union mit seiner engen Mittelfeldformation immer in Unterzahl bis die Mittelfeldspieler herausrücken und den Außenverteidigern aushelfen konnten. Diese Zeit reichte den individuell guten Nürnbergern oft, um die hohen, weiten Bällen zu verarbeiten und in Zweikämpfe zu kommen. Die Folge waren viele Flanken, Ecken und Freistöße, die Nürnberg immer wieder in mehr oder weniger zwingende Torchancen umsetzen konnte.

Auf Grund der selben Mechanismen gelang es Union auch nicht, in ein effektives Pressing zu kommen. Die Wege aus der - defensiv auf Grund fehlender Kompaktheit entlang aller Richtungen suboptimalen - Rautenformation in Pressingstellungen waren zu lang um das Nürnberger 'Aufbauspiel' zu unterbinden, das ohnehin nur sehr wenig Zeit beanspruchte.

Gerade weil die Mittel, mit denen der Aufstiegsaspirant zum Erfolg kam, so simpel waren, schien Union nicht im Stande zu sein, eine Antwort zu finden. Die Einwechslung von Christopher Trimmel, mit der nominell die Flügelverteidigung verstärkt wurde, verpuffte. Auch er von den langen Pässen der Nürnberger oft überspielt, die außerdem in der zweiten Halbzeit auch die weiten Schnittstellen im Union-Mittelfeld besser nutzten (beim 1-2 eindrücklich zu sehen, bei dem eine Reihe von präzisen Ein-Kontakt-Aktionen tragische Rausrückbewegungen zuerst provozierten und dann bestraften).

Darüber hinaus wog der Verlust von Fürstner und Zejnullahu, die zuvor oft für Entlastung sorgen konnten, schwer. Die Auswechslung Erolls (aus Angst vor einer Gelb-Roten Karte) hatte Züge eines Selbstmords aus Angst vor dem Tod.

Szene des Spiels

Im Sinn eines was-wäre-gewesen-wenn: Das 2-0, genauer, die Vertikalpässe von Micha Parensen und Eroll Zejnullahu, die eine Gelegenheit kreirten, die so gut war, dass sie selbst schlecht ausgespielt zu einem Tor genutzt wurde. Die 13./14. Minute von Eroll: Beginnend mit einer unglücklichen Positionierung bei Ballbesitz von Parensen (inklusive gut hörbarer Anweisungen der Trainerbank), über eine Serie guter Drehungen und Pässe um sich aus Engen und Drucksituationen zu befreien und Offensivaktionen einzuleiten; endete dieser Akt mit einer der in diesem Spiel sehr wenigen missglückten Ballbehauptungen und dem lehrfilmhaften taktischen Foul, für das er die folgenschwere gelbe Karte sah.

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