Erfolgserlebnis

'Endlich' und 'puh' waren wohl die Worte, die Union Fans während und nach einem taktisch eher insignifikantem, aber dafür umso wichtigerem, 3-0 Sieg in Düsseldorf über die Lippen gingen.

Ausrichtung

Einmal mehr formierte sich Union im bekannten 352/343 der letzten Wochen, und einmal mehr interpretierte man dieses System eher passiv.

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Systematisch gab es nichts neues, aber Dennis Daube durfte beginnen und ein erholter Skrzybski rückte wieder in den Angriff.

Anders als zuletzt war dabei am eheseten noch die Rollenverteidigung im Zentrum, wo Daube und Zejnullahu selten auf einer Höhe agierten. Gegen den Ball wechselten sich beide mit Vorstößen in Richtung ballführender Gegenspieler ab; in eigenem Ballbesitz setzte sich Eroll an die tiefste Ecke des Dreiecks und spielte Daube vor ihm auf der Acht.

In dieser Rolle machte Eroll erneut ein starkes Spiel und setzte damit einen Trend der letzten Wochen fort. Sowohl in der Antizipation von Ballgewinnen, dem Verlagern des Spiels, der eigenen Positionsfindung als auch dem Initiieren von Angriffen zeigte er gute Aktionen und bereitete nicht umsonst die Führung vor - von seinem abgefälschten Tor nicht zu reden.

Wo Union gewann

Aktiven Druck auf Düsseldorfer in Ballbesitz gab es erst ab der Mittellinie, in diesem tiefen Mittelfeldpressing fand Union aber einen funktionierenden, und letztlich spielentscheidenden Mechanismus. Immer wieder gewann man den Ball in den eigenen rechten defensiven Halbräumen und schaltete dort schnell in den Angriff um. Das Tor durch Wood war dafür natürlich das beste, aber nicht das erste Beispiel.

Die Komponenten dieses Mechanismus waren Benjamin Kessels etwas tiefere und defensivere Ausrichtung als Thiels auf der anderen Seite; die aktive Spielweise von Christopher Trimmel als rechtem Halbverteidiger; und Erolls etwas nach rechts verschobene Stellung. Zusammen ermöglichte dies Balleroberungen und deren schnelle Verarbeitung.

Dieses taktische Element konnte natürlich nur spielentscheidend wirken, weil Union seine wenigen wirklichen Chancen konsequent nutzte und Daniel Haas zweimal spekatkulär hielt, und Düsseldorf nicht ausreichend Qualität besaß, sich ihnen bietende Gelegenheiten zu nutzen.

Düsseldorfer (Schein)überlegenheit

Nichtsdestotrotz war die Fortuna viel weniger überlegen, als es Torschuss- oder Eckenzahlen suggerierten. Das übergewicht der Heimmanschaft in diesen Wertungen war zu großen Teilen ein Effekt der frühen Führung für Union. Fußballmannschaften im Allgemeinen und Union im Besonderen neigen dazu, sich in Führung liegend zurückzuziehen und selbige zu verteidigen. Das führt zu mehr, aber schlechteren Schüssen und Flügelangriffen für die hinten liegende Mannschaft. Solche score effects finden sich in statistischen Analysen über größere Datenmengen.

Fraglich bleibt dann noch, ob es Union entsprechend diesem Modell gelang, die Qualität der Düsseldorfer Offensivaktionen zu limitieren - die ersten fünf Minuten der zweiten Halbzeit, in denen Union ziemlich desorientiert auftrat, sprachen jedenfalls gegen diese These.

In der Tat hatte Union Schwierigkeiten, vor allem Julian Koch unter Kontrolle zu bringen, der immer wieder Akzente setzte und sich durch seinen großen Aktionsradius einerseits Damir Kreilachs Deckunsschatten entzog, und andererseits die Räume hinter ihm, in denen Union defensiv nicht übermäßig präsent war, besetzte.

Szene des Spiels

Ein beeindruckende Ballannahme von Dennis Daube, der nach einer halben Stunde einen von Toni Leistner in Richtung Wood geschickten Ball aus der Luft pflückte. Das ganze steht symbolhaft für die Schwierigkeiten Unions, im Spielaufbau sinnvolle Dinge zu tun, wenn Eroll Zejnullahu nicht beteiligt ist.

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