Initialzündung

In Sascha Lewandoskis erstem Spiel begann Union personell in etwa wie erwartet, allerdings mit Bobby Wood in der Spitze, dem die notwendige Frische und Fitness attestiert wurde.

Ausrichtung

Formativ war Union ebenfalls nahe an den Prognose, allerdings trat man statt mit drei Mittelfeldspielern hinter einer Sturmreihe mit einem orthodoxeren 4321 auf.

Dass dabei Kreilach, und nicht Eroll, die Zehn übernahm sollte (nach Aussage Lewandowskis einerseits dazu dienen, dessen Torgefährlichkeit besser einzubinden (was er mit dem wundervollen Freistoß zum 1-0 auch symbolisch bestätigte. Andererseits verfügt Kreilach über mehr Dynamik und Zweikampfstärke und kann so die Position des zweiten zentralen Spielers in der ersten Pressinglinie besser ausfüllen.

Pressing

Das Angriffspressing, von dem Lewandowski nach dem Spiel sprach, war zwar eher situativ zu sehen. Trotzdem war darin ein deutlicher Unteschied, und Fortschritt, zu den bisherigen Partien zu sehen. In einigen Momenten war es dabei noch etwas chaotisch, etwa als Stephan Fürstner plötzlich im linken Abwehrraum Karlsruhes presste (siehe Bild). Daraus entstanden aber auch schon erste gute offensive Situation, wie Skrzybskis Chance in der Anfangsphase.

pressing
Fürstner geht ins Pressing gegen den falschen Gegenspieler – und öffnet einen großen und gefährlichen Raum hinter ihm, den Karlsruhe aber nicht nutzen kann.

Nach etwa 25 Minuten verschob sich die Anordnung von Unions Mittelfeld hin zu dem in der Vorschau abgebildeten Entwurf. Damit sollte die Absicherung des Zentrums erhöht werden.

Die Chancen, die Karlsruhe nach der Führung für Union hatte, entstanden zwar größtenteils nicht nach wirklichen Kombinationen durch rot-weiße Schnittstellen, doch die erhöhte Ballsicherheit und Kontrolle über die eigenen zentralen und halbseitigen Mittelfeldräume führte zu mehr Stabilität insgesamt.

Offensive Anbindung

Damit einher ging aber auch, dass Union zwar kompakter, aber tiefer stand. So kam das in der Vorschau auf das Spiel angeprochene Problem mehr zum Vorschein dass in der Entfernung möglicher Ballgewinne zum Tor liegt.

In Situationen, in denen Union zu Torgelegenheiten (und später Toren) kam wurde der Raum im Karlsruher defensiven Mittelfeld durch individuelle Dribblings überbrückt. Ob das dauerhaft und stabil eine Lösung sein kann erscheint aber fraglich.

Probleme

Das Problem fehlender Spielstärke in der Abwehr zeigte sich erneut, auch wenn sichtlich zumindest öfter der Versuch unternommen wurde, spielerische Lösungen langen hit-and-hope Bällen vorzuziehen.

Trotzdem fanden sich alle vier Abwehrspieler geschlossen an der Spitze der Union-internen Fehlpasstabelle und trugen maßgeblich zu einer Passquote von wieder nur 62 % bei. Folglich kam Union auf nur 162 angekommene Pässe (KSC: 398). Um stabiler zu Chancen zu kommen und defensiv wacklige Phasen zu vermeiden wird eine Verbesserung hier nötig sein.

Fraglich ist aber, wie gut dass mit dem verfügbaren Personal möglich ist, ohne zu viel offensiven Impetus zu opfern, zum Beispiel in dem das zentrale Mittelfeld sich tiefer positionieren und einfachere Pässe anbieten würde. Ich vermute, wir werden in den kommenden Spielen in der einen oder anderen Variante nominelle Mittelfeldspieler in den Aufbau in der hintersten Linie eingebunden sehen. Oder Prychynenko.

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Eroll gewinnt den Ball an der Mittellinie, hat aber keine andere Option als ein Dribbling. Dieses gelingt und führt zu einer Großchance für Korte.

Szene des Spiels

Das 2-0 durch Wood. Nicht nur, dass es ein toller Abschluss nach tollem mitdenken und Einsatz von Wood war, sondern auch, weil es das erwähnte Problem der quasi zu tiefen Ballgewinne im Mittelfeldpressing ohne klare Anschlusshandlung zeigt - zusammen mit dem bestmöglichen Ausgang. Und ich Bobby mag.

Ps: falls jemand eine Quelle schöner Statistiken zur zweiten Liga (nach Art von fourfourtwo Statszone), wäre ich für einen Hinweis in den Kommentaren sehr dankbar.

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