Kontrolle

Vor dem Spiel stellte André Hofschneider den Anspruch, zu kontrollieren, was auf dem Feld passiert. Das gelingt Union nicht, aber trotzdem gewinnt man gegen Heidenheim 1-0.

Grundausrichtung

Das bestimmende Element dieser Partie war die Herangehensweise der Gäste. Wie Union formierten sie sich im wesentlich in einem 1433, zogen daraus aber systematisch eher Vorteile. Aus dem Zugriff, den die Mannschaft von Frank Schmidt mit vielen Mannorientierungen gewann, entwickelte sich ein umkämpftes und teilweise zerfahrenes Spiel.

Formation Heidenheim
Im Unterschied zum Spiel in Paderborn kommt Quiring für Eroll Zejnullahu in die Mannschaft - damit einhergeht ein (partieller) Formationswechsel von der Raute zum 1433. In der Besetzung der Sechs wechselten sich Daube und Kroos ab.

Überzahl trotz gleicher Zahlen

Entscheidend für die Struktur des Spiels war in erster Linie das Pressing der Süddeutschen, bei dem sich die Außenstürmer an der Unioner Innenverteidigung orientierten und Mittelstürmer Leipertz sich des Spielers an der Basis des Unioner Mittelfelddreiecks annahm. Damit gelang es recht effektiv, kontrollierten Spielaufbau für Union zu verhindern.

Dass sich Union aus diesem Druck nicht, oder nur selten, befreien konnte, lag auch an einigen individuellen Problemen. So konnte Jakub Busk in diesem Spiel seinem Vorbild Edwin van der Sar nicht sehr erfolgreich nacheifern und hatte stattdessen immerwieder Probleme in der Auswahl und Umsetzung der richtigen Anspiele. Gleiches galt für die Außenverteidiger, insbesondere für Michael Parenseni. [Dass beide sich in defensiven Einzelleistungen auszeichnen konnten ist damit natürlich unbenommen.] Gerade zu Parensen und Kessel muss dabei aber auch gesagt werden, dass sie eine undankbare Rolle auszufüllen hatten: aus dem offensiv am wenigsten interessanten Teil des Feldes agierend waren sie mit einem oft zugestellten Mittelfeld und weit von ihnen entfernten Flügelspielern konfrontiert. Gleichzeitig waren sie die Union Spieler, die am wenigsten Gegnerdruck hatten und so natürliche Anspielstationen. Viel Ballbesitz - und wenige gute Optionen.

So konnte Union die (eben nicht besonders wertvollen) Freiräume, die Heidenheim auf den defensiven Außen anbot, kaum produktiv nutzen. Im Mittelfeld dagegen fand man sich - trotz der nominellen Gleichzahl - oft in zwei-gegen-drei Situationen wieder, da einer der Mittelfeldspieler ja schon von Heidenheims Angriff gebunden wurde. Aus diesen Überladungen im Zentrum resultierten Ballgewinne für Heidenheim, die es immer wieder für schnelle Bälle über und hinter Unions Viererkette nutzte. Dass daraus nur wenige echte Chancen wurden, war der Sourverenität und Chuzpe von Toni Leistner et al. zu verdanken.

Natürlich erwuchsen daraus auch Probleme für Unions eigenes Offensivspiel. Gute Ansätze dazu gab es wenn entweder die zentralen Mittelfeldspieler, also vor allem Daube und Kroos, unter Druck produktive Lösungen fanden und ausführen konnten; die Außenbahnspieler (Brandy) einrückten und das Defizit ausglichen; oder das geordnete Positionsspiel umgangen wurde (Konter und einmal mehr hauptsächlich Standardsituationen).

Bobby, Bobby Wood

Die Leistungen von Wood in den letzten Monaten sind phänomenal. Mit 10 (zehn) Toren in den letzten acht Spielen (und 12 in 10) hat er eine noch bessere Serie als Antoine Griezmann und ist damit ein Kandidat für den Ballon d'Or. Nur nach Heidenheim hat sich das wohl - angesichts des Platzes, der ihm bei seinem Tor gewehrt wurde - noch nicht herumgesprochen.

In diesem Spiel traf er nun zwar wieder, hatte aber vor allem viele unvollendete Aktionen. Das lag in manchen Fällen daran, dass er kein perfekter Fußballspieler ist [no shit]; in den meisten aber eher daran, auf zu langen Wegen zum Tor zu sehr auf sich allein gestellt zu sein. Mit einem Angriffsspiel, das ihn in höheren Positionen einsetzt, oder einem Partner, der mit ihm Schritt halten kann (Skrzybski), könnte er also noch besser eingebunden werden. Frightening stuff.

In diesem Spiel wich Wood recht oft hinter die Flügelstürmer aus, und stellte so situativ die Rautenformation aus dem Spiel gegen Paderborn wieder her. Möglich wurde dies unter anderem durch die hohe Laufleistung von Quiring im Pressing - die gerade beschriebenen Gelegenheiten zur Verbesserung bestanden aber trotzdem.

Szene des Spiels

Die Entstehung des Eckballs, der dem Eckball zum 1-0 vorausging. Im Aufbau übernimmt zuerst Kreilach die Sechs - wohl in der Hoffnung, die Heidenheimer Verteidigung so zu Fehlern zu provozieren. Das gelingt nicht und die Gäste übergeben ihn und Daube sauber, was schließlich Jakob Busk zu einem langen Schlag zwingt, der auf dem Kopf eines Heidenheimers landet. Dass er von dort aber zu Damir gelangt gibt dem (Ex-)Kapitän die Gelegenheit, einen starken Pass auf Brandy zu spielen, der nur auf Kosten eines Eckballs gestört werden kann. Der Rest ist die Geschichte dieses Spiels.

Kommentare

Comments powered by Disqus