Reziprok

In dieser Begegnung in der Hinrunde lieferte Union sein schwächstes Saisonspiel ab - in der Rückrunde bei einem 4-0 Sieg aber nicht das stärkste. Das liegt vor allem daran, dass ein unterirdisches Paderborn dem Gegner keine Gelegenheit gibt, besonders gut zu sein.

Union gab heute bekannt, dass in der nächsten Saison Jens Keller die Mannschaft trainieren wird. Ich war davon spontan nicht begeistert. Eine ausführlichere Einschätzung dieser Entscheidung und Präsentation meiner Erwartungen an Union unter Keller folgt hier in Kürze.

Grundausrichtung

Mit der Rückkehr eines (sichtlich gut erholten) Bobby Woods in die Startelf und Sören Brandys Verbleib in der selben ging eine 4312-hafte Ausrichtung einher, mit Daube, Zejnullahu und Kroos im Mittelfeld und Kreilach in einer Zwischenrolle davor. Gegen den Ball wurde daraus ein 433, bei dem Kreilach wie bekannt zwischen die Stürmer in die vorderste Linie rückte und dort Pressingbewegungen anstieß.

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Benjamin Kessel, Bobby Wood und Felix Kroos kehrten aus ihren jeweiligen Pausen zurück und ersetzten eingedenk formativer Anpassungen Nikci, Redondo und Quiring. Außerdem kam in der Innenverteidigung Roberto Puncec statt Emmanuel Pogatetz zum Einsatz.

Einfache Tore

In Sportarten, die nicht so low scoring wie Fußball sind, gibt es das Konzept einfacher Tore. Das sind solche Treffer, die man erzielt, indem man schlicht grundsätzliche Abläufe sauber ausführt. In der Regel ist solche Tore zu erzielen notwendig, aber nicht hinreichend, um Spiele zu gewinnen.

Im Fußball, in dem wenige Tore einen großen Unterschied machen, ist solche einfachen Tore zuzulassen, fatal. Genau das passierte aber Paderborn an diesem Freitagabend. Union genügte es jeweils, in Pressingansätzen einen Zweikampf zu gewinnen; Wood in ein 1-gegen-1 Laufduell zu schicken und zwei Ecken kompetent auszuführen um zu einer 4-0 (vier-zu-null) Führung zur Halbzeit zu kommen - und das ohne die eigenen Chancen besonders effizient auszunutzen.

Es könnte scheinen, als gäbe es da nicht einmal viel zu analysieren, auch wenn durchaus bewusst eingesetzte taktische Mittel zur Entstehung der Tore beitrugen. Denn das interessante an taktischen Überlegegungen ist, wie sie die Erfolgsaussichten einer Mannschaft gegeben die eigenen individuellen Fähigkeiten beeinflussen können. In diesem Spiel war jedoch - zumindest im ersten Durchgang - der Abstand zwischen beiden Mannschaften so groß, dass Unions Überlegenheit unvermeidbar schien.

Das ist zwar nicht falsch, allerdings lässt sich das prägende Element der Partie - die komplette Verunsicherung der Paderborner - nicht nur in den Wirkungen, sondern auch den Ursachen auf das Köpenicker Pressing und die in diesem Sinn aggressive Herangehensweise Unions zurück führen. Konkret festmachen lässt diese Einstellung sich etwa an der Weise, wie die Spieler in der vordersten Reihe in der Anfangsphase starken Druck auf die ballführenden Gegenspieler ausübten: durch frontales Anlaufen, vor allem aber durch Rückwärtspressing und dem Versuch, daraus Kombinationen und Chancen zu entwickeln.

Schöner Fußball

In der Pressekonferenz nach dem Spiel, die schon wegen des lebenden Bildes von Fassungslosigkeit, dass der Trainer Paderborns abgab, sehenswert war, sagte Andre Hofschneider, die Mannschaft habe in der zweiten Halbzeit zu sehr versucht, schönen Fußball zu spielen und es deshalb verpasst, das Spiel sicher zu kontrollieren.

Nun mag das Schreckgespenst einer Paderborner Aufholjagd zu fürchten zwar der Selbstwahrnehmung des gemeinen Unioners entsprechen, und hatte Paderborn im zweiten Durchgang in der Tat ein paar halbwegs gelungene Aktionen - ernsthaft gefährdet war die Mannschaft in diesem Spiel zu keinem Zeitpunkt. Ich kann es den Spielern Unions also nicht verdenken, bei einer 4-0 Führung in einer Tabellensituation ohne großen Ergebnisdruck zu versuchen, mit spielerischen Mitteln das Spiel zu bestimmen. Ein klein wenig Besorgnis sollte also nicht ob dieser Intention aufkommen, sondern allenfalls, weil sie nicht besonders erfolgreich umgesetzt werden konnte.

Szene des Spiels

Ein Hackentrick, mit dem Sören Brandy in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit einen Pass von Zejnullahu aus Unions Abwehr heraus auf einen Mitspieler ablegte, um so einen Angriff einzuleiten - in der Hoffnung, dass dieser Moment eine positivere Entwicklung der Form Brandys andeutet.

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