Ein Schritt zurück, nach vorn, zur Seite?

In einem Spiel, das abseits aller taktischen Erwägungen einigermaßen nervig war, verlor Union einmal mehr in dieser Saison durch ein relativ spätes und unnötig-unglückliches Gegentor, nachdem beide Mannschaften das Spiel insgesamt sehr ausgeglichen gestaltet hatten.

Aufstellung
Union mit unveränderter Grundordnung, aber dem schnell-genesenen Parensen als Innenverteidiger. Braunschweig 352/532/541.

Defensivkonzept

Sascha Lewandowski präsentierte eine neue Verteidigungsvariante, mit der das Spiel Braunschweigs auf die Flügel geleitet werden sollte. Dazu stellte sich Union in keilförmigen 4321/433 Stellungen auf, bei denen die Achter Kreilach und Daube in die zweite Linie hinter Wood aufrückten. Dagegen fielen Skrzybski und Brandy auf den Außen neben Eroll Zejnullahu auf eine recht tiefe Mittelfeldlinie zurück.

Aus dieser Ordnung agierte man eher passiv und bestenfalls in einem tiefen Mittelfeldpressing. Die Strategie war vielmehr, das Zentrum bestmöglich zuzustellen, Braunschweigs Aufbauspiel auf die Flügel zu lenken und dort zu ersticken.

Illustriert wird diese Herangehensweise etwa von der Zahl der erfolgreichen Tacklings: obwohl dies im Allgemeinen eine problematische Statistik ist, eignet sie sich, um die Spieler einer Mannschaft miteinander zu vergleichen um Aktivitätsschwerpunkte aufzuzeigen. So wurden für Kreilach 5 dieser Aktionen gezählt und für Daube 6 - Werte, die schon von Skrzybski erreicht (6) und von Brandy (19), Parensen (17) sowie Eroll und Kessel (je 23) deutlich übertroffen wurden. Angesichts der sehr wenigen klaren Chancen für Braunschweig hat sich diese Aufteilung durchaus bewehrt.

Potentiell hätten daraus auch offensive Synergien entstehen können, da sich nach Ballgewinnen durch die personell offensiv besetzten Außen der ballnahe Achter zu Kombinationen hätte anbieten können. Der Konjunktiv hier deutet schon darauf hin, dass davon wenig zu sehen war. Ein Grund dafür war, dass Braunschweiger Angriffe zwar in der Tat auf den Außen unterbunden wurden, aber eher in Rückwärtsbewegungen der Mittelfeldspieler oder durch die Außenverteidiger beziehungsweise in Folge von Flanken.

Ballbesitzspiel

Unions Spiel mit dem Ball zeigte sich über weite Strecken von Problemen geplagt, obwohl Michael Parensen heldenhaft sein "gutes Heilfleisch" (Lewandowski) in der in der linken Verteidigung hinhielt.

Ein Faktor dabei waren die Aufteilung und Abstände zwischen den zentralen Mittelfeldspielern oft suboptimal waren. Daube und Kreilach bewegten sich in vielen Situationen dynamisch nach vorne, bevor die Spielzüge Unions entsprechend weit fortgeschritten waren. Dadurch waren sie zu weit von Eroll entfernt und die Anbindung brach ab oder Braunschweig hatte Gelegenheit und Zeit zu pressen oder Anspielstationen zuzustellen.

In manchen Situationen reißen diese Lücken auch deshalb auf, weil Eroll Bälle weniger direkt als von seinen Mitspielern antizipiert verarbeitet. Selbst wenn das im Einzelfall richtig ist, kann es bei fehlender Abstimmung zu schlechteren Ergebnissen führen.

Ein Aspekt, der für Besserung sorgte, war das in manchen Situationen das Mittelfelddreieck rotierte und oder rochierte und hin und wieder Daube am tiefsten positioniert war. Dank Erolls Bewegungen gab es in diesen Situationen statt der zuvor zu klaren 1-2 Stellungen ein 'schieferes' Dreieck, in dem über Eroll kombiniert werden konnte.

In Abwandlung des ersten Hauptsatzes der Fußballdynamik (Je höher Busquets spielt, desto weniger weit kommt der Gegner.) lässt sich für Union die Regel formulieren: Je näher alle anderen an Eroll spielen, desto flüssiger spielt Union nach vorne.

Zweite Halbzeit

Diese Regel galt auch in der zweiten Halbzeit, in der Union öfter ihr zu Folge produktiv spielte und bis zum zweiten Gegentor seine beste Phase hatte. Ob auf Grund taktischer Anweisungen oder, wie Lewandowski nach dem Spiel andeutete, dank einer konsequenteren und spritzigeren Herangehensweise, verschob das Mittelfeld schneller und aggressiver in Ballnähe. Daraus entstanden mehr Ballgewinne, Umschaltsituationen, Gegenpressingaktionen und demzufolge vielversprechende Angriffe. Das beste Beispiel, die Chance von Bobby Wood nach etwa einer Stunde, zeigte, dass es dazu noch nicht einmal eine Beteiligung von Eroll persönlich braucht, sondern auch andere Union-Spieler - hier Kreilach, Parensen, Skrzybski und Daube - in der Lage sind, mit Geschwindigkeit und Präzision zu kombinieren, wenn die richtigen Impulse dazu gegeben werden.

Diese Impulse aus dem eigenen Aufbauspiel generieren zu können und so verlässlicher einsetzen zu können wird eine Aufgabe für die kommende Trainingsarbeit sein.

Im Spiel gegen Braunschweig fehlte ein Tor in den Minuten, in denen Union am stärksten war, das stattdessen Boland so glücklich erzielte, wie er in der ersten Halbzeit schön eingeköpft hatte. Union fand darauf letztlich keine Antwort mehr.

Schlussphase
Grundordnung in den letzten 10 Minuten.

Szene des Spiels

Neben der schon erwähnten Kombination, die offensichtlich Unions beste Szene und der spielerische Höhepunkt der Partie war, möchte ich eine ausgesprochen schicke Drehung Erolls bei 25:50 AFTV Zeit hervorheben, mit der er in einer Aktion den Ball gewann, sich dem Gegenpressing entzog und einen Angriff einleitete.

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