Serie

Überlegen, aber nervenaufreibend, gewinnt der FC Union 1-0 gegen Sandhausen und verabschiedet sich mit der ersten zwei-Sieges-Serie in die Winterpause.

Grundkonstellation

Eine Sandhäuser Mannschaft, die nicht wirklich zeigen konnte, warum sie in dieser Saison sehr erfolgreich war, trat im Berliner Südosten in einem 352 an, das passiv genug war, oft wie ein 532 zu wirken. In der selben Formation, aber deutlich aktiver, aggressiver und mit entscheidenden personellen Änderungen schickte Sascha Lewandowski seine Union Mannschaft in ihr letztes Spiel des Jahres.

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Systematisch gab es nichts neues, aber Dennis Daube durfte beginnen und ein erholter Skrzybski rückte wieder in den Angriff.

Aus der Symmetrie der Formationen beider Teams ergaben sich über das Spielfeld viele relativ direkte eins-gegen-eins Duelle. Dieser Umstand erklärt zum Teil, wieso auf Unions sehr starken Beginn nach etwa 20 Minuten eine durchwachsene Phase folgte. Wichtige Räume konnten genutzt werden, wenn Einzelspieler ihre Duelle gewannen. Das geschah für Union zuerst sehr oft, bevor Sandhausen individuell und in der Folge kollektiv besser ins Spiel fand.

Trotzdem fand Union über das ganze Spiel hinweg Wege, die deutlich bessere Mannschaft zu sein.

Systematische Schwächen

Der erste Aspekt dieser Überlegenheit weist auf die Gefahren des 352 Systems hin, wenn es zu passiv ausgeführt wird. Sandhausen begann das Spiel zu tief stehend, sodass Union dank eines guten Spielaufbaus viele Aktionen im letzten Drittel hatte. Weil die Mittelfeldspieler Unions rechtzeitig weit genug aufrückten war man in diesen Aktionen außerdem nicht in Unterzahl. Zusammen mit der spielerischen Qualität, die Union in guten Momenten zeigen konnte, führte dies zu vielen gefährlichen Angriffen und einigen Großchancen.

Eine ähnliche Wechselwirkung der verschiedenen Interpretationen der gleichen Struktur war auch im Pressing zu beobachten. Während Sandhausen kaum Druck auf die drei Verteidiger Unions ausübte, stellten Skrzybski und Wood die Halbverteidiger der Gäste ebenso gut zu wie Zejnullahu und Daube die zentralen Mittelfeldspieler.

Der - überragende - Raffael Korte war frei, mit Tempo den Innenverteidiger anzulaufen so kontrollierten Spielaufbau weitgehend unmöglich zu machen.

Spieleröffnung

Im Gegensatz dazu bot Union im Spielaufbau eine der besten Leistungen der letzten Wochen. Das lag auch, aber nicht nur an guten individuellen Leistungen der Spieler in der Abwehr. Denn sie nutzten vor allem Gelegenheiten, die gruppentaktische Mechanismen ihnen boten.

Zum einen boten sich die Flügelverteidiger, besonders Thiel, oft gut in den Halbräumen zwischen ihren Sandhäuser Widerparts und dem zentralen Mittelfeld für Steilpässe an, mit denen temporeiche Angriffe eingeleitet werden konnten.

Zum anderen fand Sandhausen keinen Weg, Eroll Zejnullahu daran zu hindern, aus dem defensiven Mittelfeld Bälle zu verteilen. Immer wieder fand der kosovarische Nationalspieler im Karree der Stürmer und Achter des Gegners mit Dribblings oder diagonal nach vorn gespielten Pässen Lösungen.

Außerdem bespielte Union die passive Haltung Sandhausens oft, in dem insbesondere Christopher Trimmel, selten auch Parensen, mit dem Ball Vorstöße unternahm. So gelang es immer wieder, die Mittelfeldspieler in den Räumen zwischen den Reihen Sandhausens schon in dynamische Spielzüge einzubeziehen.

Raffael Korte

Nach einer für ihn bisher unbefriedigend gelaufenen Saison fühlte sich dieses Spiel wie der Moment an, in dem Raffael Korte wirklich bei Union ankam. Mit vielen technisch starken und handlungsschnellen Aktionen war er sehr auffällig und öffnete immer wieder Räume zwischen dem Mittelfeld und der Abwehr Sandhausens. Oft nutzte er diese Räume dann auch noch selbst mit Schnittstellenpässen auf die Stürmer oder einen aufgerückten Daube.

Auch abgesehen von seinen Aktionen am Ball spielte Korte stark: Im Pressing agierte er mit gutem Gefühl für den richtigen Zeitpunkt Druck aus zu üben. Mit seiner Schnelligkeit initiierte er darüber hinaus hin und wieder Gegenpressingaktionen.

Bei all dem hatte Korte außerdem einen sehr weit gestreuten Aktionsradius, ging einige Male mit diagonalen Läufen auf den Flügel, um dort etwa mit Thiel Gelegenheiten zu Kombinationen zu schaffen.

Direkte Vergleiche mit Damir Kreilach verbieten sich auf Grund der sehr unterschiedlichen Charaktere beider Spieler, aber Korte machte das Potenzial, das in einer Zehner-hafteren Besetzung dieser Position liegt.

Szene des Spiels

Ein Angriff in der Anfangsviertelstunde, der leider nach einer akrobatischen Ballannahme von Thiel mit einem Ballverlust endete. Dafür war diese Szene ein gutes Beispiel für die erwähnten Vorstöße von Trimmel, zeigte Kortes Engagement im Gegenpressing und einer von vielen Momenten, in denen Dennis Daube gutes Ball- und Raumgefühl unter Beweis stellte.

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