Sommerfußball

In einem Spiel ohne allzu offensichtliche Bedeutungsschwere setzt Union taktische Trends der letzten Wochen fort und verliert 0-2 in Bielefeld.

Grundausrichtung

Union tritt auswärts erneut in seiner 4312 Rautenformation an, und trifft auf Norbert Maiers 4231. Daraus ergeben sich Probleme im Aufbauspiel in Gleichzahl und mit Unterzahlsituationen auf den Flügeln.

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Eroll Zejnullahu kommt zurück in die Mannschaft, Stephan Fürstner rückt wieder aus der Startelf.

Druck und Ventile

Wie auch Andre Hofschneider in der Pressekonferenz nach dem Spiel erwähnte war der Druck, den Bielefeld auf das Unioner Aufbauspiel ausübte, und die Weise, in der seine Mannschaft damit umging, das prägende Element in der ersten Hälfte der Begegnung.

Schon in den ersten Sekunden zeigte sich in Unions erster Ballbesitzphase das Grundmuster hierfür: Der Ostwestfälische Mittelstürmer postierte sich zunächst zwischen den Innenverteidigern und versuchte, das Spiel auf Unions linke Seite, also im ersten Moment Emmanuel Pogatetz, zu leiten (dies war der häufigere Fall, hin und wieder war das selbe Muster aber auch seitenverkehrt zu sehen). Hatte Pogatetz den Ball, lief der Stürmer ihn an und behielt dabei Leistner in seinem Deckungsschatten (i.e. versperrte diesen Passweg). Gleichzeitig nahm Ulm, auf Bielefelder Seite in der Kreilach-Rolle, Unions Sechser Dennis Daube als Anspielstation in Bewachung und aus dem Spiel, und rückte der Außen auf Unions Linksverteidiger.

In solchen, oft provozierten Situationen, ereigneten sich nun entweder unmittelbare Ballverluste; von wenig Erfolg gekrönte Versuche, sich auf der Seite, auf die man geschoben wurde, durchzuspielen; ebenso oft in gegnerischem Ballverlust endende lange Bälle - oder schnelle Verlagerungen auf die offenere rechte Seite und damit vielversprechende Angriffe.

Das letzteres eher selten war, lag auch daran, dass es einen Weg aus der Bedrängnis voraussetzt. Diesen konnte der Halbspieler in der Raute (Kroos) anbieten, wenn er sich im richtigen Moment nach hinten löste um als Relaisstation für eine Verlagerung in offene Räume zu fungieren. Genau das geschah aber zu selten. Fehlende Konstanz darin, solche Mechanismen als Ventil für den Gegnerdruck ablaufen zu lassen, waren eher der Grund für Unions Probleme im Spielaufbau als die von Hofschneider diagnostizierte 'Fahrlässigkeit'.

Konterabsicherung

Die Konterabsicherung wurde nach dem Wechsel in zwei Weisen zum Problem für Union. Zuerst gelang den Gastgebern nach einem Freistoß für Union mit einem gut gespielten Konter die Führung. In diesem Fall war jedoch an der defensiven Staffelung Unions nicht viel falsch, und es gelang schlicht nicht, die Aktion zu unterbinden.

Anders war dies in der Folge während Union versuchte, zum Ausgleich zu kommen. In dieser Phase kam Bielefeld immer wieder zu Kontergelegenheiten, weil die Köpenicker in den eigenen Angriffsräumen oft nur behäbig oder gar nicht defensiv umschalteten. Außerdem stand man selten in Angriffsstaffelungen, die eine Chance zu Gegenpressingaktionen gegeben hätten: die Achter waren dafür teilweise zu hoch postiert, und man spielte Pässe in nicht abgesicherte Positionen.

Die Kehrseite dieser Medaille war Unions Offensive in der zweiten Hälfte. Während man um etwa die 70. Minute zu einigen Halbchancen kam, bestanden doch die bekannten Probleme im Herausspielen echter Chancen. Aus den selben Gründen, aus denen man nicht ins Gegenpressing kam, ergaben sich auch keine zwingenden Kombinationen. Mit Quiring und Nikci kam zwar etwas mehr Tempo und Druck ins Spiel, doch konnte man damit im Wesentlichen nur den Raum überbrücken, den Paderborn im Mittelfeld aufgab.

Szene des Spiels

Wäre ich zynisch: Sören Brandy, der einem langen Ball hinterher- und in einen gegnerischen Spieler, der denselben abfängt, hineinrennt.

Die Chance für Sören Brandy (AFTV 2/27:30), und mehr noch Kreilachs Pass durch das Unioner Achtloch und den Zehnerraum auf Kessel, der schön für den erneut glücklosen Abschluss Brandys ablegt. Hier zeigen sich die Probleme von Unions Offensivspiel, und wie sie in Momenten kaschiert werden.

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