Pragmatisch, nicht paradigmatisch

Wir verbessern nicht den Fußball, sondern Union - nach diesem Motto ordnete Lewandowski in dieser Woche die Mannschaft und seine Arbeit mit ihr neu aus und erreicht einen immens wichtigen Sieg in Heidenheim.

Grundordnung

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Stephan Fürstner kehrt in die Startaufstellung zurück und spielt neben Eroll Zejnullahu als zweiter Sechser, Dennis Daube muss dafür seinen Platz aufgeben. Steven Skrzybski spielt, Sören Brandy bekommt eine Pause.

Man nehme ein branchenübliches 4231, ersetze den (derzeit formschwachen) Rechtsaußen durch einen zweiten, hängenden Stürmer, gleiche die dadurch auf rechts entstehende Lücke dadurch aus, den rechten Verteidiger den ganzen Flügel bearbeiten zu lassen und schiebe den Rest der Abwehr hinter ihm nach. Ungefähr nach diesem Rezept, gewürzt mit viel Engagement, könnte Unions Formation und Ausrichtung für dieses Spiel zu Stande gekommen sein.

Dieses Gebilde ein 352 zu nennen wäre nicht falsch, aber auch nicht ganz treffend, da Kessel auf rechts durchaus als Verteidiger auflief und vor allem gegen den Ball auch regulär eine Viererkette bildete. Außerdem liefe man mit dieser Schematisierung Gefahr, die Asymmetrie zwischen den Flügeln zu unterschlagen, denn auf links agierten Parensen und Thiel klassisch als Linksverteidiger beziehungsweise offensiver Außen.

Asymmetrie

Interessant war, dass diese Asymmetrie auch gegen den Ball beibehalten wurde. Skrzybski und Wood bewegten sich eher passiv und auf einer Höhe zwischen den Heidenheimer Innenverteidigern und dem zentralen Mittelfeld um Passwege in der Mitte zuzustellen. Hinter ihnen behielten Zejnullahu und Fürstner sowie Kreilach ihre Positionen im Zentrum und die 2-1 Staffelung zwischen ihnen bei. Die Räume, die so für Heidenheim im zweiten Drittel auf der von Union nicht besetzten Seite hatte wurden verteidigt indem entweder Fürstner oder Puncec herausrückten. So konnte man entweder Zweikämpfe unmittelbar gewinnen, oder ineffiziente Halbfeldflanken provozieren.

Offensiv wurde die Überzahl auf dem linken Flügel und im Halbraum mit langen Bällen direkt dorthin oder nach Verlagerungen aus dem defensiven Halbraum genutzt. Vor allem aber profitierte man davon, aus wenigen klaren Chancen in der ersten Halbzeit eine Führung mitgenommen zu haben, und sich in der Folge auf Konter verlegen zu können. Der Begriff Konter ist dabei weit auszulegen, denn oft bestanden diese in eher spekulativen Bällen in Richtung der beiden Angreifer (siehe 2-0, Szene des Spiels).

Whatever works

In einer langen Pressekonferenz früh in dieser Woche hatte Lewandowski angekündigt, Fortschritte in der Spielanlage auf bessere Zeiten zu verschieben und sich vorerst auf verbesserte Ergebnisse konzentrieren zu müssen. Dementsprechend gab es gegen Heidenheim den deutlichen Versuch, defensive Stabilität nicht zu Gunsten besseren Aufbauspiels zu riskieren.

Dass so tatsächlich ein perfektes Ergebnis erzielt wurde verdankte sich zum einen einer Reihe individuell starker Leistungen (Zejnullahu, Leistner, Puncec, Skrzybski etc.) und einem günstigen Spielverlauf. Im Sinne einer erfolgsstabilen Herangehensweise wird man sich darauf mittel- und langfristig nicht verlassen können - aber dass es darum im Moment nicht geht, war genau die für die momentane Situation ausgegebene Parole.

Szene des Spiels

Das 2-0, oder genauer, die Vorarbeit dazu: ein Ball, den Damir Kreilach mit dem Rücken zum Tor ungefähr dahin geschlagen hat, wo die Stürmer vielleicht etwas damit anfangen könnten. Der richtige Steven Skrzybski trat vor und tat genau das.

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